Starker Preisanstieg im Handwerk: Bauen und Modernisieren kräftig verteuert

Starker Preisanstieg im Handwerk: Bauen und Modernisieren kräftig verteuert

Wer sein Wohneigentum modernisieren, in neuen Mietwohnraum investieren oder einfach nur seinen Wohnungsbestand angemessen in Schuss halten möchte, der tut sich aktuell schwer: Die Preise im Handwerk sind in den letzten fünf Jahren massiv angestiegen. Eine aktuelle Auswertung macht jetzt deutlich, wie groß die Herausforderung für Eigentümer und Vermieter ist.

Wer sein Wohneigentum modernisieren, in neuen Mietwohnraum investieren oder einfach nur seinen Wohnungsbestand angemessen in Schuss halten möchte, der tut sich aktuell schwer: Die Preise im Handwerk sind in den letzten fünf Jahren massiv angestiegen. Eine aktuelle Auswertung macht jetzt deutlich, wie groß die Herausforderung für Eigentümer und Vermieter ist.

Berlin. Die Preise für Handwerkerleistungen sind in den vergangenen fünf Jahren in Deutschland drastisch gestiegen – noch stärker als die Preise für Baumaterial. Im bundesweiten Durchschnitt über alle Gewerke verlangten die Handwerker letztes Jahr 36 Prozent mehr als noch im Jahr 2021. Das zeigt eine Auswertung der amtlichen Statistiken des Statistischen Bundesamtes, welche die Online-Plattform Aroundhome jetzt veröffentlicht hat – das Unternehmen ist als Vermittler von Handwerksleistungen in Deutschland aktiv.

Die Auswertung zeigt, dass sich die Preisentwicklung je nach Gewerk sehr unterschiedlich darstellt. So stiegen die Preise für die Installation von Dämmungen oder Brandschutzmaßnahmen an technischen Anlagen in den letzten fünf Jahren um stolze 81,7 Prozent. In der Gebäudeautomation stiegen die Handwerkerpreise um 49,1 Prozent, bei Beschlagarbeiten um 44,1 Prozent und bei den Glasern um 42,6 Prozent. Die Dachdecker erhöhten die Preise seit 2021 um 40,9 Prozent, die Tischler um 400,4 Prozent.

Handwerkspreise steigen viel stärker als Inflation

Im günstigeren Bereich der Skala befinden sich dagegen auch einige Gewerke, deren Preise unterdurchschnittlich gestiegen sind – doch auch hier fallen die Quoten erheblich aus. Die Anbieter von Naturwerksteinarbeiten erhöhten ihre Preise „nur“ um 30,8 Prozent, Maler und Lackierer um 31,0 Prozent. Abdichtungsarbeiten verteuerten sich um 32,8 Prozent, Erdarbeiten um 34,6 Prozent und Betonwerksteinarbeiten um 35,3 Prozent. Die Metallbauer verlangten 35,4 Prozent mehr, die Rollladenbauer 35,7 Prozent und die Trockenbauer 35,9 Prozent. Die Klempner kalkulierten mit 38,9 Prozent mehr.

Der Vergleich mit der Inflation ist deutlich: Die Verbraucherpreise stiegen im gleichen Zeitraum um 18,2 Prozent. Die Handwerkerpreise haben die allgemeine Teuerung also weit überflügelt. Nur eine Handvoll Gewerke kommt dem Niveau der allgemeinen Inflation zumindest nahe: Die Preise der Gerüstbauer stiegen in den letzten fünf Jahren um 20,6 Prozent, die Zimmerleute verlangten 22,4 Prozent mehr, die Maurer 22,6 Prozent, Stahlbauer 23,8 Prozent und Betonbauer 24,1 Prozent. Dabei zeigt die Auswertung zugleich auf, dass die Preisanstiege weit über der Teuerungsrate der Baumaterialien liegen.

So stark haben sich typische Modernisierungsmaßnahmen verteuert

Um 24,3 Prozent hat sich Baumaterial insgesamt in den letzten 5 Jahren verteuert, wie Aroundhome vorrechnet. Allerdings gibt es erhebliche Ausreißer. Steine und Erden verteuerten sich um 41,9 Prozent, Glas und Keramik um 32,4 Prozent. Die Preise für Metallerzeugnisse stiegen dagegen um 21,1 Prozent, elektrische Ausrüstungen verteuerten sich um 20,5 Prozent und chemische Erzeugnisse um 19,8 Prozent. Andererseits gab es allerdings auch Baumaterialien, deren Preisanstieg deutlich hinter der allgemeinen Teuerungsrate zurückgeblieben ist.

In diese Kategorie fallen Holz (+13,3 Prozent), Gummi und Kunststoffe (+13,6 Prozent), Kokerei- und Mineralölerzeugnisse (+14,1 Prozent) und Metalle (+14,3 Prozent). Zugleich darf nicht vergessen werden, dass das Bauhandwerk neben Material- und Personalkosten für die Erbringung seiner Dienstleistungen auch Energiekosten einkalkulieren muss. Die sind erheblich gestiegen: Aroundhome kommt für die Energieversorgung auf einen Preisanstieg von 56,2 Prozent in den letzten fünf Jahren. Bei Erdöl und Erdgas waren es zusammen 28,7 Prozent mehr, bei der Wasserversorgung 21,8 Prozent.

Die Preisentwicklung im Handwerk führt in jedem Fall bei Bauherren und Eigentümern, die ihre Bestandsobjekte in Schuss halten oder modernisieren möchten, zu erheblichen Sorgenfalten. Die Auswertung von Aroundhome rechnet einige typische Modernisierungsmaßnahmen vor: Die Neueindeckung eines 100 Quadratmeter großen Daches schlägt heute mit rund 13.000 Euro zu Buche, vor fünf Jahren waren es noch 9.510 Euro. Ein neuer Anstrich für 100 Quadratmeter Fassade kostet heutzutage etwa 10.200 Euro, vor fünf Jahren kamen die Auftraggeber noch mit rund 8.010 Euro aus. 

Hohe Handwerkerpreise: Vermieter in der Kostenfalle

Wer 10 Kunststofffenster austauschen möchte, muss inzwischen im Schnitt mit Kosten von ungefähr 9.300 Euro rechnen. Das sind 34,6 Prozent mehr als noch im Jahr 2021, damals kam man durchschnittlich mit rund 6.910 Euro aus. Die Folgen der stark gestiegenen Kosten zeigen sich in verschiedenen Bereichen: Einerseits werden Neubauten immer teurer und deshalb immer schwieriger zu finanzieren – zumal auch die Zinsen für Immobilienkredite wieder deutlich angezogen haben (wir berichteten). Zugleich sind aber auch energetische Modernisierungen für die Eigentümer von Bestandsgebäuden schwieriger zu stemmen.

Ganz besonders problematisch ist die Situation für Vermieter: Sie müssen die Instandhaltung und Instandsetzung ihrer Mietobjekte vollständig aus ihren Mieteinnahmen refinanzieren. Die Mieten steigen allerdings bei weitem nicht in dem Maße, wie die Handwerkerkosten – selbst in besonders angespannten Wohnungsmärkten. Das erschwert es zunehmend, mit der Vermietung zumindest kleine Renditen zu erwirtschaften. Auch die energetische Modernisierung von Mietwohnraum ist angesichts der stark gestiegenen Handwerkerpreise nur noch schwer darstellbar – Modernisierungsmieterhöhungen sind schließlich nur eingeschränkt möglich.

Dieser redaktionelle Beitrag wurde von Haus & Grund Rheinland Ruhr verfasst.

Bitte beachten Sie, dass dieser Artikel nach seiner Veröffentlichung nicht mehr aktualisiert wird. Das Veröffentlichungsdatum ist über der Überschrift angegeben.

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